28 Studierende des Studienganges Projekt Engineering der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim haben im Rahmen eines interdisziplinären Studienprojekts ein zukunftsweisendes Elektrofahrzeug von radikaler Modernität in Design, Technik und Baustoffen entwickelt. Ihr ‚Elektromotor auf Rädern’ ist nun im Pavillon Vert der renommierten Automobilmesse in Genf vom 4. bis 14. März 2010 erstmals zu sehen.
Am Anfang von ELMAR stand die von Projektinitiator und Studiengangsleiter Professor Dr. Carsten Seidel ausgegebene Richtlinie, „ein zukunftsweisendes Fahrzeug mit Elektroantrieb zu bauen, das weitestgehend ohne klassische Werkstoffe und Komponenten konstruiert werden soll“. Daraus geworden ist ein sportlicher Zweisitzer, dessen Lösung von althergebrachten Konstruktionsprinzipien schon der erste Blick auf das Fahrzeug offenbart: So haben die jungen Ingenieure auf eine Karosserie verzichtet und setzen stattdessen auf ein Tragwerk mit frei eingehängter Fahrgastzelle und über ein Herzstück verbundenen Kunststoffaufhängern. An Stelle des traditionellen Elektromotors treten neu entwickelte elektrische Einzelradmotoren mit Einzelradaufhängung. Werkstoff der Wahl sind dabei kohlefaserverstärkte Kunststoffe (CFK), die gegenüber anderen Werkstoffen leichter und energieärmer in der Herstellung sind.
Darüber hinaus haben die Macher von ELMAR – getreu des Grundsatzes „keep it simple“ die einzelnen Konstruktionselemente von ELMAR polyfunktional angelegt: So werden beispielsweise die Funktionen Tragen, Federn und Dämpfen anders als bei herkömmlichen Autos nicht von separaten Bauteilen übernommen, sondern allein in die Ausleger integriert. Das spart Gewicht und damit Energie. Umweltschonend ist auch das Energiekonzept zur Versorgung der Elektromotoren: „Es war uns zu wenig, ELMAR einfach nur mit Hochleistungsakkus auszustatten. Stattdessen haben wir zeitgleich mit dem Fahrzeug einen flexiblen Carport mit Solarmodulen entwickelt, in dem die Akkus in nur acht Stunden aufgeladen werden können“, erklären die findigen Konstrukteure.
Seit April 2009 treiben die Studierenden der DHBW neben Vorlesungen und Praxisphasen in ihren Ausbildungsunternehmen das Projekt ELMAR voran. Sie arbeiten dabei in sieben Teams mit unterschiedlichen Aufgabengebieten – Konstruktion, Energie, Design, Steuerung, Antrieb, Marketing und Support – an einem schlüssigen Gesamtkonzept für emissionsfreies Fahren und an ihrer Vision: mit ELMAR Wegbereiter eines Umbruchs im Fahrzeugbau zu sein.
Bei der Umsetzung des fächerübergreifenden Projekts werden die Studierenden von den Dozenten der DHBW beraten und unterstützt. Doch wie sie ihr Ziel erreichen, entscheiden die 28 jungen Frauen und Männer selbst. Entsprechend der Praxisausrichtung des Dualen Studiums leisten sie den Hauptteil der Arbeit – von der Initiierung über die Planung bis zur Ausführung des Projekts – in Eigenregie. „Um Projektentscheidungen treffen zu können, müssen wir unsere theoretischen Kenntnisse aus den Vorlesungen in Management- und Ingenieurtechniken praxisnah anwenden und an der Wirklichkeit messen“, erklärt der studentische Projektleiter Marjus Seubert stellvertretend für die Studierenden, und ergänzt: „Uns eröffnen sich viele Möglichkeiten, zugleich sind wir aber auch mit Schwierigkeiten konfrontiert. So erleben wir hautnah, was die Höhen und Tiefen eines Projekts einem Team abverlangen, um zu einem guten Ergebnis zu kommen.“
Damit steht das Projekt ELMAR exemplarisch für ein innovatives Lehr- und Lernkonzept der DHBW im Studiengang Projekt Engineering, das in theoriebegleitenden Projektarbeiten die ohnehin praxisnahe Ausrichtung des dualen Studiums noch vertieft: Durch dieses projektbezogene, oft interdisziplinäre und branchenübergreifende Arbeiten haben die Studierenden die Chance, ihr fachliches Wissen über die dreimonatigen Praxisphasen hinaus ganz konkret anzuwenden. „Das dazu erforderliche Teamwork und der enge Kontakt mit den beteiligten Partnerunternehmen bringen unseren Nachwuchskräften ein Riesenplus an praktischen Erfahrungen und berufsrelevanten Soft Skills“, erklärt Professor Dr. Dirk Saller, Prorektor der DHBW Mannheim und Dekan der Fakultät für Technik, das Projektkonzept.
Wesentlicher Bestandteil für den Erfolg der Innovationsprojekte an der DHBW ist es, über die Hochschule hinaus Partner zur Unterstützung einer kreativen Idee zu finden. Im Fall von ELMAR ist dies bestens gelungen: Die angehenden Ingenieure konnten namhafte Industrieunternehmen, den Verbund der Metropolregion Rhein-Neckar und den Genfer Automobilsalon für sich begeistern: als Partner unterstützen sie den Bau des Prototyps, begleitende Marketingmaßnahmen und den Messeauftritt.
Live-Bilder vom ELMAR-Messestand auf dem Genfer Automobilsalon und weitere Informationen zum Projekt finden sich auf der Projekthomepage.